|  Druckversion  |  
 Position:  Startseite → Die Grünmorsbacher alte Kirche ist 120 Jahre alt.
 
 

Die Grünmorsbacher alte Kirche ist 120 Jahre alt.

Am 10. Oktober um 19 Uhr ist ein Gottesdienst, danach gibt Albin Blatt vom Heimat- und Geschichtsverein einen Einblick in das Buch „Chronica“. Darin ist die Entstehungsgeschichte der Kirche ausführlich beschrieben.

Neue Erkenntnisse hat Albin Blatt vom Heimat- und Geschichtsverein über den Bau der Grünmorsbacher Kirche gewonnen. Genau 120 Jahre nach dem Weihetag am 10. Oktober wird er nach dem Gottesdienst um 19 Uhr seine Entdeckungen präsentieren. Möglich gemacht hat diesen Einblick Pfarrer Erich Sauer. Er hat einen „verborgener Schatz“ aus dem Pfarrarchiv in Form eines handgeschriebenen Buches mit dem Titel „CHRONICA“ zugänglich gemacht, in dem eine neue Sichtweise auf die Entstehungsgeschichte der alten Grünmorsbacher Kirche gefunden wurde. In dem Buch hat der damals zuständige Pfarrer von Schweinheim, Johannes Schweinfest, seine akribisch gesammelten Notizen, Briefe, Urkunden, Pläne und Bilder in einer Chronik anschaulich zusammengestellt. Das Manuskript hat im Jahre 1902 Heinz Schiestl, der künstlerische Ausstatter der Kirche, in zeitgemäßer Handschrift zu Papier gebracht und alle Themen treffend und plastisch illustriert. Albin Blatt hat dieses Buch nun transskribiert und somit für heutige Lesegewohnheiten lesbar gemacht werden.

Grünmorsbach war am Ende des 19. Jahrhunderts bettelarm und durch den Kauf und den Umbau der alten Schule sowie den Bau des Friedhofs 1892 hoch verschuldet. Eine große Anzahl an glücklichen Zufällen verhalf Grünmorsbach dennoch zu einer eigenen Kirche. Der Kaplan Johannes Dümler sah Grünmorsbacher im Mai 1895 eine Betstunde auf offener Straße vor einem „armseligen Bildstöcken“ halten, trug es dem Pfarrer vor und warb für eine Lourdesgrotte für Grünmorsbach. Zusätzlich besuchte Dümler die Schwester des verstorbenen Aschaffenburger Stiftspfarrers Johann Kiesel in Würzburg, um bei ihr um Spenden zu bitten. Dümler erreichte zusammen mit dem Domkapitular Franz Emmerich, dass Margaretha Kiesel zunächst die Kosten für eine Lourdesgrotte, dann für eine Kapelle und auf Intervention des Bischofs Franz Joseph von Stein schließlich alle Kosten für den Bau inklusive Bauplatz, die innere Einrichtung und einem Fond von 6000 Mark für eine Kirche übernahm. Schweinfest sah sich wegen Problemen mit den Behörden gezwungen, die Kirche nicht als öffentliches Gebäude, sondern als Privatmann zu bauen. Nur mit baupolizeilicher, jedoch ohne kuratellamtlicher Genehmigung, ließ er die Kirche errichten. Margaretha Kiesel konnte die Grundsteinlegung für „ihre“ Kirche nicht miterleben. Sie starb genau sechs Tage vorher. Zu Ehren der Kiesels wurde die Kirche auf St. Margareta und St. Johannes am 10. Oktober 1899 durch Bischof Ferdinand von Schlör geweiht.

Größte Probleme hatte nun aber der Privatmann Schweinfest, seine Kirche zu verschenken. Die Lösung brachte ein Kontakt zu einem ehemaligen Mitschüler, dem Ministerialrat im Kultusministerium in München, Anton Ritter von Wehner. Wehner zog die Akten an sich und genehmigte, über die Köpfe des Bezirksamtes und der Regierung hinweg, die Gründung der Kirchenstiftung und die Bildung einer Kirchenverwaltung. Daraufhin erteilte das königliche Bezirksamt widerwillig seine Zustimmung. In der ersten Sitzung der neu gewählten Grünmorsbacher Kirchenverwaltung am 12. Januar 1902 übereignete Pfarrer Schweinfest die Kirche, den Bauplatz, alle inneren Einrichtungen sowie einen Baufond mit 6000 Mark an die Kirchenstiftung Grünmorsbach. Die Tatsache, dass die Kirche eine Stiftung ist, sicherte ihren Bestand auch beim Neubau der Johanneskirche im Jahr 1974. Die Ausstattung der Kirche ist heute noch ein Gesamtkunstwerk: Gudrun Berninger schreibt in ihrem Bericht „Auf den Spuren des Würzburger Bildhauers Heinz Schiestl am Untermain“ im Jahr 1993: „Die Zusammenarbeit zwischen Architekt, der auch die Ausstattungsgegenstände stilgetreu entwarf und den Ausstattern, ist in Grünmorsbach auf vorzüglichste Weise gelungen. Die Grünmorsbacher sind um dieses Kleinod wahrhaftig zu beneiden“.

Bild: Bild: Bild:

Bild 1: Das Deckblatt des Buches CHRONICA, in dem die Entstehungsgeschichte der Grünmorsbacher Kirche aufgezeichnet ist.

Bild 2: Die Grünmorsbach Kirche St. Margareta und St. Johannes in ihrer Anfangszeit

Bild 3: Bild neben einer Textseite: Die Sonne geht auf über Grünmorsbach in Gestalt von „Fräulein Kiesel“. Jede Textseite ist mit einem passenden Bild versehen.


Bilder aus dem Archiv des Heimat- und Geschichtsverein
Text von Robert Fuchs

  |  Hinweise  |  Datenschutz  |  Haftungsausschluss  |