Neue Grabungen auf der Ketzelburg

Ritter Reiner von Heydebach (der Name ist noch nicht wissenschaftlich belegt, wird von den Haibachern aber schon lange für „ihren“ Ritter verwendet) hat sich offensichtlich doch für eine längere Zeit auf seiner Ketzelburg einrichten wollen. Die gegenwärtig laufenden Grabungen beweisen dies mit Funden aus dem Eingangsbereich seiner Burg auf dem Ringwall. Der Archäologe Harald Rosmanitz legte bereits in den ersten Tagen des neuen Grabungsabschnittes mit Helfern des Heimat- und Geschichtsvereins eine Toranlage frei, die auf einen repräsentativen Eingangsbereich schließen lässt. Ein Torhaus wurde getragen von einem äußeren Tor, ein schmaler Gang, von zwei mächtigen Mauern flankiert, sollte es Eindringlingen schwer machen, ins Innere der Burg zu kommen. An die Toranlage anschließend konnte jetzt auch ein Graben für eine Pfostenreihe frei gelegt werden, der die Palisaden zum Schutz der inneren Mauer hielt. „Ein solch aufwändiger Eingangsbereich stellte die Macht und das Ansehen des Ritters deutlich vor Augen“ erklärte Rosmanitz, warum der Burgherr die relativ kleine Burganlage mit einer solch großen Investition aufwertete. Der schwarze Humus im Eingangsbereich lasse darauf schließen, dass die Toranlage einige Jahre in Betrieb gewesen sei.
Drei Bauphasen nachweisbar
Inzwischen könne man drei Bauphasen erkennen: Erst sei wohl nur ein Holzzaun errichtet worden. Ein behauener Sandstein, ordentlich „ins Wasser gelegt“, rühre von einer zweiten Phase her. Der Stein stamme nicht aus dem Umfeld der Burg und sei wohl eigens angeliefert worden. Er habe die Toranlage getragen. Diese Anlage sei dann aber wieder zugefüllt worden. Ob das Tor als zu groß für die Burg erkannt worden sei oder ob das Ende der „Kleinburgen“ rund um Aschaffenburg schon nahe war, ließe sich nicht nachweisen. Da kein weiterer Steinausbau zur Befestigung vorgenommen wurde, lässt die Zeit der Anlage ziemlich genau auf das Jahr um 1180 datieren. In dieser Zeit ist das Verbot des Erzbischofs Konrad von Wittelsbach (im Jahr 1189) bekannt, der als Landesherr die „Befestigung vor den Toren Aschaffenburgs“ in einem Brief verbot. Er regagierte damals auf die Spannungen zwischen dem Papst, vertreten durch die Mainzer Bischöfe und dem Kaiser, der seinen Einfluss im Spessart von den Grafen von Rieneck wahren ließ. Eingesetzte Ministerialen verwalteten für die Grafen das Land. Vom Erzbischof von Mainz war in Aschaffenburg das Stift St. Peter und Alexander zuständig, die geistliche Macht auszubauen. Die Ministerialen verstanden es in diesem Machtkampf ihre eigene lokale Machtbasis zu schaffen. So entstanden rund um Aschaffenburg ein Ring von Befestigungen.
Baukunst des
Mittelalters
Der Raum links vom Eingang wurde als eigenständiger Wohnraum benutzt, was sich durch einige Scherbenfunde belegen lässt. Rechts vom Eingang lag wohl eine Getreidedarre. Darin wurde in einem Graben Reißig verbrannt, was Feuchtigkeit entzog und die Erde verziegelte. So wurde eingelagertes Getreide vor dem Keimen geschützt und konnte lange aufbewahrt werden. Rosmanitz: „Der Burgherr hatte großes Wissen über praktischen Anlagenbau. Das eingebrachte Fremdmaterial, Lehm und Sand, befestigte die Böden so gut, dass selbst in Regenperioden das Wasser schnell in Drainagekanälen abfließen konnte und sich kein Schlamm ansammelte.“
Gäste willkommen
Die Grabungen werden noch bis 23. Juli fortgeführt. Rosmanitz hofft auf einen Fund eines Gegenlagers zur Toranlage, so dass er eine Brücke oder eine Bohlenweg nachweisen kann. Dafür wir ein Grabungsschnitt in den Burggraben geführt. Auch soll ein Schnitt in den äußeren Wall das Ausmaß der Anlage fest stellen. Sehr aufgeschlossen ist der Archäologe für Besucher. Wer sich anmeldet bekommt eine ausführliche Erklärung der Anlage. Besonders Schulklassen sind willkommen. Auch ist der Heimat- und Geschichtsverein noch auf der Suche nach Helfern, die bei den Grabungen zur Hand gehen. Wer sich beteiligen möchte wendet sich an den Vorsitzenden Dieter Hock, Telefon 61965 oder email: di.hock@hugverein-haibach.de
Sicherung des Wohnturms
Parallel zu den neuen Grabungen hat der gemeindliche Bautrupp damit begonnen, die im letzten Jahr gefundenen Grundmauern des Wohnturms zu sichern. Das Gebiet wurde inzwischen abgedeckt um es für die Zukunft bewahren. Darüber werden Betonfundamente für den Aufbau einer doppelwandigen Mauer errichtet, die künftigen Generationen die Lage des Turms verdeutlichen soll. Der Original-Mörtel analysiert, damit die neue Mauer in mittelalterlicher Handwerkskunst nachgebaut werden kann. Im Innern wird das Gebäude dann aber mit Kies aufgefüllt, ein Plattenbelag zeigt die Raumaufteilung. „Sicher wird auch ein Hinweis auf den Burghund angebracht, dessen Skelett gesichert werde konnte“, versprach Dieter Hock vom Heimat- und Geschichtsverein.
Veröffentlichung des Spessartprojektes über die Ketzelburg:
http://www.spessartprojekt.de/forschung/haibach/index.php
30. 05. 2004
Die archäologische
Grabungen auf der Ketzelburg sind abgeschlossen
"Geschichte Lebendig werden lassen"
Zusammenfassung der Ergebnisse am 14. Oktober
„Archäologie
ist keine tote Wissenschaft. Archäologischen Funden lassen für uns das Leben
unserer Vorfahren wieder lebendig werden.“ Den Beweis für diese Behauptung
trat der Archäologe Harald Rosmanitz sehr überzeugend
beim Abschluss der Grabungen auf der Haibacher Ketzelburg an.
Vier Wochen lang untersuchte er
die mittelalterliche Burganlage eines niederen Adeligen am Eingang der Haibacher
Schweiz. Bei seinen Führungen über die frei gelegte Anlage verstand er es, den
„Ritter Reiner von Heydebach“ anhand der Befunde wieder aufleben zu lassen.
„Eigentlich hat der Ritter (noch) keinen Namen. Er war sicher kein berühmter
Kreuzritter, kein bekannter Minnesänger und auch kein gefeierter Turnierreiter,
sonst wäre schon etwas über ihn in den Urkunden gefunden worden“, erklärte
er den zahlreichen interessierten Besuchern. Dass es aber kein armer Ritter war,
beweisen die Funde von Bruchstücken eines Bescherkachelofens, zum Ende des 12.
Jahrhunderts sicher eine moderne und vor allem kostspielige Wohnungseinrichtung.
Gegenüber der offenen Feuerstelle hatte der Kachelofen den großen Vorteil,
dass das beheizte Zimmer rauchfrei und sauber blieb. Von einer Diele oder der Küche
aus wurde der Ofen beheizt und hielt den Wohnraum lange angenehm warm. Um diesen
Vorteil zu nutzen, war aber die Abtrennung einer „guten Stube“ gegenüber
der Küche notwendig.
Wenig
Luxus gönnte sich die „Burgherrin“ in der Küche. Die tönernen Scherben
von Töpfen, Krügen und Bechern weisen auf eher anspruchsloses Alltagsgeschirr
hin. Die Bruchstücke der Kugeltöpfe sind grob mit Gesteinsgrus, Glimmerplättchen
und Rußsand gemagert. Die dünnwandigen Gefäße weisen auf eine verbesserte
Herstellung gegenüber den freihändig geformten Gefäßen der salischen Epoche
hin. Die Oberflächen zeigen einen reduzierten Brand. Da die rundlich
geschlossene Form sehr gut die Hitze speichert, wurden sie als Kochtöpfe
unmittelbar an die Glut oder ans Feuer gesetzt. Sie dienten zum Kochen von Eintöpfen
und Brei. Nur wenige Stücke sind mit Rädchendekor verziert, was auf eine
bescheidene Küchenausstattung schließen lässt.
Da der Wohnturm gerade mal 25 Quadratmeter Grundfläche aufweist, bot er wenig Platz, für die Herstellung der Kleidung einen notwendigen Webstuhl aufzustellen. Etwas abseits fand man dagegen ein aus Lehm geformtes Gewicht, mit dem die Kettfäden der senkrecht gestellten Webstühle gespannt wurden. Um den Fundort herum legten die „ Haibacher Schatzsucher“ den Nachweis eines Grubenhauses frei, einem rechteckigen Vielzweckbau. Etwa einen Meter tief in die Erde wurde eine Grube angelegt, über die dann das Dach gebaut wurde. Durch die Erdfeuchtigkeit und dem gleichbleibendem Innenraumklima waren sie besonders gut für die Herstellung der Stoffe geeignet, die während der Bearbeitungszeit nicht austrocknen durften. Daneben konnte Lebensmittel frisch gehalten werden.

Der
Burgherr war sicher ein abergläubiger und ängstlicher Mensch, der an böse
Geister und Dämonen glaubte. Diese Erkenntnis belegen zwei Funde, die unter den
Fundamentmauern des Wohnturms entdeckt wurden. Ein Blitzeinschlag bedrohte bei
jedem Gewitter den bis zu drei Stockwerken hohen Fachwerkbau. Zumal stand der
Turm auf einer Anhöhe, rundum war der Wald wegen der freien Sicht auf das Tal
abgeholzt. Gegen den Blitzeinschlag baute der Ritter deswegen einen
„Blitzableiter“ ein: Ein Schuhleistenkeil, auch „Donnerkeil“ genannt. Er
wurde als die abgebrochene Spitze eines Blitzes angesehen, der in die Erde
eingeschlagen hatte. Und wo ein Blitz schon einmal eingeschlagen hat, da kommt
er nicht wieder, war die übliche Meinung. Also baute man den Donnerkeil in das
Fundament des Wohnturmes und war so vor den Unwettern geschützt.
Ein
weiterer Fund an der Innenseite der Grundmauern zog die größte Beachtung der
Besucher auf sich. Es ist das vollständig erhaltende Skelett eines Hundes, der
in einem eigens geformten „Grab“ beigesetzt wurde. Die Bedeutung, die der
Burgherr diesem „Tieropfer“
beimaß, kann man heute noch an dem zusätzlichen Röhrenknochen ersehen, der
vor der Schnauze des Hundes lag: Er ist der Überrest der Verpflegung im
Jenseits. Der Hund sollte auch nach seinem Tod auf die Bewohner aufpassen, alle
Feinde und alles Unheil vom Haus fernhalten.
Nach
der Ansicht des Archäologen hat die Ketzelburg nur etwa 20 Jahre bestanden. Die
Datierung der Funde zeigen eindeutig auf die Zeit um 1180 hin. In dieser Zeit
ist das Verbot des Erzbischofs Konrad von Wittelsbach im Jahr 1189 bekannt, der
als Landesherr die „Befestigung vor den Toren Aschaffenburgs“ in einem Brief
verbot. Er regagierte damals auf die Spannungen zwischen dem Papst, vertreten
durch die Mainzer Bischöfe und dem Kaiser, der seinen Einfluss im Spessart von
den Grafen von Rieneck wahren lies. Eingesetzte Ministerialen verwalteten für
die Grafen das Land. Vom Erzbischof von Mainz war in Aschaffenburg das Stift St.
Peter und Alexander zuständig, die geistliche Macht auszubauen. Die
Ministerialen verstanden es in diesem Machtkampf ihre eigene lokale Machtbasis
zu schaffen. So entstanden rund um Aschaffenburg ein Ring von Befestigungen. Als
die Rienecker 1187 ihre Besitzungen in Haibach dem Stift verpfänden, ist von
der Haibacher Burg schon nicht mehr die Rede, was darauf schließen lässt, dass
der Haibacher noch vor dem bischöflichen Befehl seinen Wohnsitz aufgegeben
hatte. Es fanden sich keinerlei Hinweise, dass die Burg gewaltsam niedergerissen
oder verbrannt wurde. Da die Lage am Rande Haibachs strategisch nicht sehr
wichtig war, hat auch niemand mehr den Platz besiedelt, für die Grabungen heute
ein großes Glück: Die einphasige Bebauung ohne spätere Veränderung lässt
direkte Schlüsse auf das Leben einer Epoche zu.
Beim
„Grabungsfest“ zu Füßen der Ketzelburg bezeichnete Bürgermeisterin
Heidrun Schmitt die Arbeit der letzten vier Wochen als „Erfolgserlebnis erster
Klasse“. Ein großes Puzzleteil vervollständige das Bild der Geschichte der
Gemeinde und rufe eine ansteckende Begeisterung in der Bevölkerung hervor. Dr.
Gerhard Ermischer vom Archäologischen Spessartprojekt lobte vor allem die
ehrenamtlichen Helfer des Heimat- und Geschichtsvereins, die in den letzten vier
Wochen zusammen über 1200 Arbeitsstunden erbracht haben. „Das Forschen und
das Bewahren der eigenen Geschichte wird in der Zukunft ohne engagierte
ehrenamtliche Arbeit nicht möglich sein“, meinte er. Dieter Hock, der
Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins dankte besonders den Spendern, die
mit ihrem Beitrag die Finanzierung der wissenschaftlichen Arbeit unterstützen.
Die Absprache der Gemeinde mit dem Denkmalschutzamt müsse demnächst zeigen,
wie die Anlage auf Dauer geschützt und doch sichtbar und erlebbar gestaltet
werden könne.
„Fein
herausgeputzt“ wurde die befestigte Bodenfläche des Wohnturms von dem
Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins Dieter Hock, hier sogar mit einem
Staubsauger.
Die Ketzelburg hat es wirklich gegeben
Nach den geo-physikalischen
Untersuchungen vor 5 Jahren haben archäologische Grabungen jetzt bewiesen: Auf
dem Ringwall stand im 12. Jahrhundert die Burg eines Ritters aus dem Niederadel!
Unter der Leitung des Archäologen Harald Rosmanitz vom Archäologischen
Spessartprojekt und unter der tatkräftigen Mithilfe des Heimat- und
Geschichtsvereins konnten die Fundamente eines Wohnturms frei gelegt werden.
Zahlreiche Funde weisen auf das Leben der Bewohner hin. Die Entstehungszeit, die
Besiedlungsdauer und die Art der Bebauung wurden geklärt.
Zum Abschluss der Grabungen
feiern wir am Samstag, dem 29. Mai ein Fest zu Füßen der Ketzelburg, Herr
Rosmanitz wird die Grabung erklären und die Funde vorstellen.
Herzliche Einladung
| Programm: | |
| 14.30 Uhr | Begrüßung durch Bürgermeisterin Heidrun
Schmitt und Dieter Hock vom Heimat- und Geschichtsverein Vorstellung der Grabungsergebnisse durch den Archäologen Rosmanitz
|
| 15.30 Uhr | Führung über die Grabung (Harald Rosmanitz) |
| 16.00 Uhr | Führung für Kinder (Robert Fuchs) |
| 16.30 Uhr | Führung über die Grabung (Harald Rosmanitz) |
Der Heimat- und Geschichtsverein lädt zu Haibacher Spezialitäten, Kaffe
und Kuchen ein!
Der Erlös des Festes hilft mit, die Kosten der Grabungen und wissenschaftlichen
Untersuchungen zu finanzieren.
Ritter Reiner von Heydebach war bisher nur eine Sagengestalt aus Haibachs Geschichte. In diesen Tagen erwacht zumindest seine „Ritterburg“ zum Leben. Dass es eine Burg „vor den Toren der Stadt“ gegeben hat, ist in alten Schriften belegt, ein Hochplateau mit umgebendem Graben am Eingang zur Haibacher Schweiz ließ allerdings bisher nur die Vermutung zu, dass es sich hier um eine Burganlage gehandelt haben müsste. Als „keltisch-germanischer Ringwall“ haben frühere Generationen diese Anlage eingestuft – eine Annahme, die sich allerdings geschichtlich nie beweisen ließ. Erst der Heimat- und Geschichtsverein nahm es in die Hand, der Geschichte auf den Grund zu gehen. „Die Sage vom Ritter Heydebach und von dem Geschwisterpaar, das hier einen Goldschatz gefunden haben soll, ließ uns keine Ruhe“, bekannte der Vorsitzende des Vereins Dieter Hock.
Erste Untersuchungen
Im Jahr 1999 wurde der Ringwall deshalb auf der Fläche von 30 mal 50 Meter in Zusammenarbeit mit dem archäologischen Spessartprojekt geophysikalisch untersucht. Nach der Auswertung der geo-elektrischen und geo-magnetischen Messdaten war auf den Karten deutlich ein rechteckiger Bau zu erkennen, dem eine Befestigung vorgelagert war. Da keine späteren Überbauungen stattgefunden haben, waren die Strukturen gut erkennbar. Etwa 8 mal 10 Meter Grundfläche hat demnach ein Wohnturm gehabt, der auf dem Plateau von Befestigungen und einem Graben umgeben war. Wenige Holzhütten standen wohl in der Nähe. Wer dort gewohnt hat und warum diese "Motte" schon bald wieder aufgegeben wurde, blieb bisher ungeklärt. Die Burganlage konnte aber in die Geschichte unserer Heimat eingebettet werden.
Geschichtlicher Hintergrund
Demnach
stand Haibach wie der ganze Aschaffenburger Raum im Spannungsfeld zwischen dem
Papst, vertreten durch die Mainzer Bischöfe und dem Kaiser, der seinen Einfluss
im Spessart von den Grafen von Rieneck wahren lies. Eingesetzte Ministerialen
verwalteten für die Grafen das Land. Vom Erzbischof von Mainz war in
Aschaffenburg das Stift St. Peter und Alexander zuständig, die geistliche Macht
auszubauen. Die Ministerialen verstanden es in diesem Machtkampf ihre eigene
lokale Machtbasis zu schaffen. Die Herren von Kugelberg, von Hösbach oder
Bessenbach gehörten zu ihnen. So entstanden rund um Aschaffenburg ein Ring von
Befestigungen. In einem Brief des Mainzer Erzbischofs Konrad von Wittelsbach im
Jahr 1189 schreibt er über "eine
Befestigung vor den Toren Aschaffenburgs, die von dem damaligen Vicedom Konrad
errichtet worden war". Ob es sich dabei um die Burg Kugelberg in Goldbach
oder die Ketzelburg in Haibach gehandelt hat, ist noch zu untersuchen. Keine der
Burgen hatte Bestand, was darauf hinweist, dass es den Ministerialen nicht
gelungen ist, ihre Macht dauerhaft zu sichern.
Als die Rienecker 1187 ihre Besitzungen in Haibach dem Stift verpfänden,
ist von der Haibacher Burg schon nicht mehr die Rede. „Wenn hier wirklich eine
Burg gestanden hat, müssen sich Nachweise vom Leben der Bewohner finden
lassen!“
Start
der Grabungen
Diese Forderung an die Geschichte trieb den Heimat- und Geschichtsverein dazu, nun tiefer in die Burganlage einzudringen. Wieder half das archäologische Spessartprojekt als kompetenter Partner mit, die Genehmigung für Grabungen beim Landesamt für Denkmalschutz zu erreichen und fachmännische Untersuchungen durchzuführen. Der Archäologe und Projektmanager des länderübergreifenden Zusammenschlusses „Pathways to Cultural Landscapes“ Harald Rosmanitz arbeitet seit Anfang Mai zusammen mit Helfern des Heimat- und Geschichtsvereins an der Ketzelburg und sucht nach Beweisen der bisherigen Annahmen. Schon am ersten Tag kam ein Zufall zu Hilfe: Ein umgestürzter Baum riss mit seinem Wurzelballen ein Loch in den Boden und dort wurde eine Tonscherbe gefunden, die Rosmanitz eindeutig zuordnen konnte: „Es ist der Rand eines dickbauchigen Gefäßes aus Glimmerton mit Rädchenverzierung wie er in einem Seligenstädter Karamikofen um das Jahr 1200 gebrannt wurde.“ Dieser Fund blieb nicht allein. Was der Archäologe und die Haibacher Helfer bisher entdecken und aus dem Boden holen konnten, erklärt die Goldgräberstimmung der Mannschaft.

Erste Funde machen Mut
In einer freigelegten Ascheschicht lagen mehrere Keramikscherben. Neben den Fundstücke aus dem 11. Jahrhundert deuten die scharfkantigen Randstücke von Krügen auf die Zeit um 1350 bis 1400 hin. Die schnelle zeitliche Einordnung trifft Rosmanitz aus seinen Erfahrungen als Leiter eines Keramikmuseums und seiner reichhaltigen Fachliteratur. Bis auf 50 Jahre genau könne man das Alter der einzelnen Teile bestimmen, sagte der Fachmann. „Es war kein armer Mann, der hier gelebt hat“, erklärte er die Funde von Eisenstücken, Nägeln und Bleiteilen, da das Eisen zur damaligen Zeit recht teuer zu beschaffen gewesen sei. Natürlich müssten alle Fundstücke jetzt erst genau untersucht werden. Sie werden gezeichnet und dabei die Originalstücke rekonstruiert. Als „Bodenurkunden“ werden sie mit schriftlichen Zeitdokumenten verglichen und dann eine genaue Einordnung vorgenommen. Da die Grabungen nur an wenigen ausgesuchten Stellen erfolgen dürfen, werde man die genaue Anordnung der Wohnanlage wohl nicht genau bestimmen können, dämpft Rosmanitz die Erwartungen. Ziel der Untersuchung sei es nicht, die ehemalige Burg frei zu legen, sondern durch die Fundstücke das Leben der Menschen erfahrbar zu machen. Die Ketzelburg wird als Bodendenkmal unversehrt bleiben, betont er. Bei den Grabungen kommt dem Archäologen die Erfahrung seiner Helfer vom Heimat- und Geschichtsverein entgegen. Maurer wissen um alte Handwerkstechniken und konnten merkwürdig angeordnete flache Steine deuten, Hobby-Archäologen haben einen Blick entwickelt auch für unscheinbare Scherben. „An den ersten Tagen war es viel Grabarbeit“, meinte Dieter Hock, doch das Freilegen der Bodenschichten oder gar der Hangbefestigung mit den großen Steinquadern mache die körperliche Arbeit zu einem Erlebnis. Wahre Begeisterung kam auf, als sie auf die Mauern des Wohnturmes stießen.

Ergebnisse kommen bald
„Die
ergiebigen Funde nach so kurzer Zeit lasen uns auf eine umfangreiche
Dokumentation hoffen“, mutmaßte Rosmanitz. Am Ende der Grabungen werden die
Fundstücke am 29. Mai direkt vor Ort vorgestellt, die Ergebnisse der
Untersuchungen werden am 14. Oktober veröffentlicht. Ein besonderes Angebot
macht der Archäologe allen Interessierten: Wer die Arbeit miterleben will, kann
gerne zu einem Besuch vorbeikommen. Besitzt jemand Bodenfunde, die er selbst
nicht einordnen kann, darf er diese zur Begutachtung mitbringen.
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So stand es im Main Echo am 22.5.2004: Nur
auf den ersten Blick mutet es wie ein Sandkastenspiel für Erwachsene an:
Mit Hacke und Schaufel rückt derzeit ein Grabungsteam der Ketzelburg zu
Leibe. Jetzt, nach knapp einem Monat, ist der Beweis erbracht. Auf dem
Ringwall am Eingang zur Haibacher Schweiz stand tatsächlich vor etwa 800
Jahren eine Ritterburg. »Hier
muss ein Graben gewesen sein.« Mit geschultem Blick erkennt Archäologe
Harald Rosmanitz anhand von Verfärbungen im Boden frühere Strukturen.
Seit 28. April ist der Altertumsforscher mit ehrenamtlichen Helfern des
Haibacher Heimat- und Geschichtsvereins dabei, dem Ringwall am »Schlossknickel«
seine Geheimnisse zu entlocken. Schleier
lüftete sich Schon
vor fünf Jahren begann sich der Schleier um die sagenumwobene Haibacher
Burg zu lüften. Eine geophysikalische Untersuchung im Rahmen des archäologischen
Spessartprojekts gab damals Hinweise auf Fundamente eines Gebäudes, das
auf dem Plateau gestanden hat und von Befestigungen und einem Graben
umgeben war. Seitdem wussten die Archäologen, wo der Spaten anzusetzen
war. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Haibach erklärte sich bereit,
eine Grabung zu finanzieren, die Gemeinde zahlt 20 Prozent Zuschuss. Zehn
Suchschnitte wurden abgesteckt, die Mehrzahl auf dem Plateau, zwei am
umgebenden Graben. Knapp unter der Grasnarbe stießen die Ausgräber auf
grob behauene Steine, erste Scherben fanden sich. Nach wenigen Tagen waren
große Teile der Grundmauer eines quadratischen Wohnturms mit einer
Innenfläche von 25 Quadratmetern freigelegt. Turm
in Leichtbauweise »Damit
hat sich die These von der mittelalterlichen Burg bestätigt«, erklärt
Harald Rosmanitz erfreut. Trotz der spärlichen Reste ist er sich ziemlich
sicher, wie der Turm der Ketzelburg ausgesehen hat. Weil die
Fundamentmauer nur 60 Zentimeter dick ist, komme nur »Leichtbauweise« in
Holz oder Fachwerk in Frage. Der Turm könne höchstens drei Stockwerke
gehabt haben - mehr waren vom König nicht erlaubt. Das
Erdgeschoss diente als Lagerraum. Darüber lag das Wohngeschoss des
Burgherrn, in dem neben einfachen Möbeln auch ein Ofen gestanden hat, was
Kachelfunde beweisen. Im zweiten Stock war wohl ein Schlaf- und
Aufenthaltsraum, ganz oben die Wachstube. Das Dach muss mit Schindeln oder
Schilf gedeckt gewesen sein, denn von Ziegeln fand sich keine Spur. Absichtlich
aufgegeben? Damals,
vor 800 Jahren, sah die Landschaft ganz anders aus als heute. Der
Bergsporn über der »Haibacher Schweiz« war entwaldet, um den
Burgbewohnern freie Sicht zu ermöglichen. Noch unklar ist, woher die
Erbauer der Burg das Erd-reich für den mächtigen Burghügel und den äußeren
Wall genommen haben. Der Geologe Jürgen Jung vom Senckenbergischen
Institut hofft, diese Frage mit seinen Bohrungen lösen zu können. Am
Fuß des Burghügels hat sich das Team ein Lager mit Bauwagen
eingerichtet. Dort wird die Erde sorgsam nach Fundstücken durchsiebt.
Bunt glasierte Kacheln, Bruchstücke von Krügen, Scherben von Töpfen und
Tellern und Eisenteile werden gereinigt, fotografiert, abgezeichnet und
katalogisiert. »Wie bei einer kriminalistischen Tatortuntersuchung geht
es darum, vor Ort möglichst viele Spuren zu sichern und zu dokumentieren«,
erklärt Rosmanitz, der hofft, daraus eines Tages eine kleine
Burgengeschichte zusammensetzen zu können. Steinzeitkeil
gefunden Eins
steht für den Archäologen jetzt schon fest: »Die Ketzelburg war nur
kurze Zeit besiedelt.« Darauf deute die relativ geringe Menge an
gefundener Keramik hin, die zumeist aus der Zeit um 1200 stamme. Leider
seien die Scherben stark zerstört, da sie Jahrhunderte lang in saurer
Erde gelegen haben. Um
so erstaunlicher ist ein Fund, den Emil Albert vom HGV gemacht hat.
Zwischen den Fundamentmauern fand er einen so genannten Schuhleistenkeil,
ein steinzeitliches Werkzeug. Rosmanitz vermutet, dass der Burgbauer das
Relikt aus grauer Vorzeit zweckentfremdet als Talisman - möglicherweise
als Blitzableiter - eingebaut hat. Die
Burg scheint nach Rosmanitz' Ansicht mit Absicht aufgegeben worden zu
sein, da er keine Brandspuren oder Zerstörungshorizonte nachweisen
konnte. In den Humusschichten seien zwar wenige Scherben vom Ende des 14.
Jahrhunderts aufgetaucht, doch sei eine längere Wiederbesiedelung des
Burgbergs in dieser Zeit auszuschließen. Definitiv vom Tisch sei die
Vermutung, die Burg könne auf eine Anlage der Kelten zurückgehen. Es
bleiben offene Fragen. »Wir wissen nicht, ob und womit die Vorburg bebaut
war«, so Rosmanitz. Auch die Umwehrung der ganzen Anlage mit einem
Palisadenzaun sei bisher nur Vermutung. Immerhin: In einem der
Suchschnitte zeichnete sich die Standspur eines Holzpfostens ab. »Endlich
der Beweis« Die
Helfer, fast alle rüstige Pensionäre aus Haibach, sind mit Eifer bei der
Sache. »Die Spannung war groß, was wir antreffen würden«, berichtet
Emil Albert. Alle haben sie als Kinder auf dem Ringwall gespielt oder nach
vergrabenen Schätzen geforscht. »Jetzt«, sagt er strahlend, »ist
endlich der Beweis für die Burg da.« Ungeklärt
bleibt die Frage, wer die Burg bewohnt und weshalb er sie schon bald
wieder aufgegeben hat. »Die Historiker wissen aber jetzt, in welchem
Zeitfenster sie forschen müssen«, ist Rosmanitz zuversichtlich, der
Spurensuche in den Urkunden einen Impuls zu geben. Schon
Peter Endrich hatte die mittelalterliche Natur der Anlage erkannt. Zuletzt
widmete sich der Kronberg-Gymnasiast Oliver Schreiber 2001 in einer
Facharbeit der Ketzelburg. Der Historiker Wolfgang Hartmann sieht deren
Erbauung im Kontext eines Machtkampfes zwischen dem Erzstift Mainz und den
kaisertreuen Grafen von Rieneck, der sich Ende des 12. Jahrhunderts im
Raum Aschaffenburg zuspitzte. In Erlenbach ließen sich die
Reichsministerialen von Kesselberg nachweisen, die vielleicht etwas mit
der Ketzelburg zu tun haben. Reste
werden zugeschüttet Die
Ausgrabungen können laut Rosmanitz einen Beitrag leisten, Licht in ein
dunkles Kapitel der Spessartgeschichte zu bringen. Am 29. Mai werden die
Ergebnisse vor Ort vorgestellt. Anschließend werden die Reste der »Ketzelburg»«
wieder zugeschüttet, um sie als Bodendenkmal zu erhalten. Jürgen
Schreiner |