Grabungen auf der Ketzelburg sind abgeschlossen


Der Ritter von Haibach hatte ein großes, mit Hufeisen beschlagenes Pferd, kochte seinen Hirsebrei in dickbauchigen Töpfen und benutze als Tafelgeschirr feinste Mayener Keramik. Diese Rückschlüsse auf das Leben des Burgherren der Ketzelburg lassen neue Funde zu, die der Archäologe Harald Rosmanitz zum Abschluss der Grabungen vorstellte.
Fast drei Monate haben im Sommer die Helfer des Heimat- und Geschichtsvereins zusammen mit dem Archäologen die Geschichte Haibachs weiter erforscht und sind zu neuen Erkenntnisse gekommen. „Entschuldigung, wir graben aus!“ hatte Rosmanitz die Arbeiten überschrieben, nachdem es heute nicht mehr üblich sei, Bodendenkmäler frei zu legen. In Haibach hätten sich aber im letzten Jahr neue Funde ergeben, die eine Erweiterung gefordert haben. „Mit einer Grabungen kann der Grad der Erhaltung dokumentiert werden. Dies bildet den Ausgangspunkt für ein umfassendes Maßnahmenkonzept zum Schutz des Bodendenkmals“, rechtfertigte Rosmanitz die neuen Freilegungen. Am Graben und im Eingangsbereich der Burganlage habe man nun Bauten gefunden, nach denen sich der Burgherr weit besser auf eine langjährige Präsenz vorbereitet hat, als bisher angenommen. Für den Besucher erschien demnach die Burg als ein repräsentativer Bau mit einer steinernen Toranlage. Die Freilegung einer Torwange zeigte ein zweischaliges Mauerwerk, das mit Bruchsteinen gefüllt war. Diese Mauern waren für Angreifer viel schwerer einzunehmen, da die Füllung bei Zerstörung durch Rammböcke nachrutschte und die Mauern wieder verfestigte.

Zwischen den beiden Torwangen habe wohl ein hölzernes Wachhäuschen gestanden, wie Vertiefungen für Holzpfosten zeigten. Der Torbogen selbst war mit fein zugehauenem Haibacher Sandstein aus dem Findberg aufgebaut. Dass diese Steine erst hier in der Burg bearbeitet worden waren zeigten Bruchstücke, die in der Mauerfüllung gefunden wurden. Innerhalb der Toranlage entdeckte der Archäologe schwarze Verfärbungen im Boden, die auf einen kleinen Raum hinweisen der als  Getreidedarre benutzt worden ist. Dort wurde Reisig verbrannt und auf dem erhitzen Boden Getreide haltbar gemacht. Vertiefungen für Holzpalisaden im Zufahrtsbereich lassen auf eine feste Rampe schließen, die über den Burggraben führte. Ein Pfostenloch im Gegenwall zeigte die Wegführung des Zugangs.

Die Tiefe des künstlich angelegten Grabens lasse auf eine langwierige Fronarbeit der Untergebenen schließen, meinte Rosmanitz. Da keine schriftlichen Aufzeichnungen über die Bewohnerzahl Haibachs im 12. Jahrhundert vorlägen wolle er nun anhand des bewegten Bodenaushubs errechnen, wie viele Menschen hier gearbeitet haben. Rosmanitz: „Eine angenehme Arbeit war es sicher nicht mit Holzschaufeln und schweren Eimern den Graben auszuheben.“

 

Im Bereich des Eingangs fanden sich Hinweise auf das Lebend des Burgherren. Keramikscherben zeigen auf einfaches Tongeschirr dickbauchiger Töpfe, in denen der übliche Brei direkt am Feuer gekocht wurde. Gleichartige Funde lassen darauf schließen, dass diese Töpfe in Seligenstadt hergestellt und in Aschaffenburg gehandelt wurden.

Bruchstücke Mayener Keramik zeige aber auch, dass sich der Ritter bei Tisch vornehmeres Geschirr vorsetzen ließ. Ein Bruchstück einer Bodenfliese weise auf den Belag des Wohnturms hin. Als Gewichtsstück eines Webstuhls deutete der Archäologe eine Kugelkeramik mit einer Durchbohrung und eine weitere Keramik als Spinnwirtel, die zum Drehen von Wollfäden benutzt worden war. 

Ein Teil einer Sichel zeige, dass die Sage um die beiden Mädchen, die sich mit einer Sichel erschlugen, einen historischen Hintergrund habe.

Merkwürdige Farbschichten und Gräben im Durchfahrtsbereich lassen auf eine zweite Bauphase schließen. Hier sei wohl der Beginn des Rückbaues der Burg zu sehen, meinte Rosmanitz. Dabei sei der Eingangsbereich wieder mit Holzpalisaden verbaut worden, ein Hinweis, dass die Befestigung zurückgebaut worden sei. Diese Maßnahme deute auf die Zeit hin, als der Mainzer Erzbischof die Burgen rund um Aschaffenburg verbot und der Haibacher Ritter sich zum Abbau der Burg und zum Umzug entschloss.

Für die nahe Zukunft sind die Grabungen auf der Ketzelburg abgeschlossen. Die Verfüllung des Wohnturms hat die Originalmauern erhalten und sie für Forschungen künftiger Generationen gesichert. Damit den Menschen heute ein sichtbares Erbe ihres Ritters bleibt, ließ die Gemeinde den Wohnturmsockel über neuen Grundmauern nachbauen und den Torbereich befestigen.